Bach H-Moll-Messe 2015

Bach H-Moll-messe 2015


H-Moll-Messe von Bach mit dem Kammerchor Warendorf

Bilder der Aufführung in der Marienkirche, Warendorf von Hermann Schlosser,
 und die Konzertkritik von Hermann Schlosser


Die Konzertkritik von Karl Hermann Schlosser
Messe H-Moll von Johann Sebastian Bach BWV 232 durch den Kammerchor Warendorf und das Barockorchester Münster sowie die Solisten Jenny Haecker (Sopran), Rebecca Blanz (Mezzosopran), Ben Heijnen (Tenor) und Lukas Schmid (Bass) unter der Leitung von Ansgar Kreutz am Samstag, 21. November 2015, 18 Uhr, in der St.-Marien-Kirche Warendorf

Zur Aufführung der H-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach am Samstag durch den Kammerchor Warendorf unter Leitung von Ansgar Kreutz waren so viele Zuhörer in die Pfarrkirche St. Marien gekommen, dass so gut wie kein Platz mehr frei blieb. Zum ersten Mal überhaupt wurde diese große Messe von einem hier beheimateten Chor in Warendorf aufgeführt. Und diese Aufführung darf man wohl schon jetzt, auch wenn das Jahr noch nicht ganz um ist, als das herausragende kirchenmusikalische Ereignis dieses Jahres bezeichnen.

Diese Messe sei „das größte musikalische Kunstwerk aller Zeiten und Völker“, heißt es in der Einladung zur Suskription für den geplanten Erstdruck im Jahre 1818. Das handschriftlich von Bach angefertigte Manuskript gehört inzwischen zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Die Entstehungsgeschichte dieses Meisterwerks des großen Barockkomponisten ist einigermaßen kompliziert. Ansgar Kreutz hat darüber in dem Konzertprogramm sehr informativ berichtet. Außerdem hat er fachkundig und einfühlsam die verschiedenen Teile der Messe, wie Bach sie musikalisch ausgestaltet hat, eingehend kommentiert. Dabei zeigt sich, dass Bach in dieser Messe viele früher komponierte Stücke, vor allem aus seinem reichen Kantatenschatz, wiederverwendet und bearbeitet hat. Das „Parodieverfahren“ galt seinerzeit keineswegs als ehrenrührig, und wenn man hier von „Plagiaten“ spricht, so ist dies kein Negativurteil. Wir haben es hier im Übrigen durchaus nicht mit einer mehr oder weniger zufälligen Aneinanderreihung verschiedener Stücke aus Bachs schier unerschöpflichem Repertoire zu tun, vielmehr um ein gerade für diesen Zweck „wie aus einem Guss“ geschaffenes Werk. Bach zieht mit seiner großen Messe gewissermaßen eine Summe seiner kirchenmusikalischen Arbeit. Das Beste daraus sollte hierfür gerade gut genug sein.

Ansgar Kreutz hatte seinen Kammerchor wie gewohnt hervorragend einstudiert, dessen etwa 40 Mitglieder sehr engagiert und mit beeindruckender Qualität in allen Stimmen dem hohen Anspruch dieses Werkes gerecht wurden. Hervorzuheben wäre besonders die feine dynamische Differenzierung. Kreutz setzte stark auf die leiseren Töne und die Intensität des Ausdrucks statt auf Lautstärke. Gleich beim Kyrie bestach der Chor durch seinen verhaltenen, der Bitte um Erbarmen angemessenen Gesang, ebenso auch etwa im Gloria mit seinem flehentlich leise vorgetragenen „et in terra pax“, mit dem er einen starken Kontrast setzte zu dem kraftvollen und strahlenden „in excelsis Deo“ des Anfangs. Das Gleiche zu Beginn des demütig gebeteten „gratias agimus“ oder in dem „qui tollis“, das mit ganz großem Spannungsbogen gehalten zu den Höhepunkten der Aufführung zählte. Aber auch im Credo fand der Chor im „Et incarnatus est“, angesichts des Geheimnisses der Menschwerdung Gottes, den angemessenen Ton ehrfürchtiger Anbetung. Wo es hingehörte, erschallten die Stimmen freilich kraftvoll und prächtig, dass es eine Freude war. So etwa in dem unter die Haut gehenden Schluss des Gloria oder dem „et resurrexit“ des Credo, mit dem die Auferstehung Christi triumphierend bejubelt wird. Und am Ende des Credo das dramatische „et expecto“, die Erwartung der kommenden Welt – prächtig, mit Pauken und Trompeten. Mit dem „Dona nobis pacem“, der Bitte um Frieden, schloss die Messe, zuerst wie entrückt und überirdisch, dann kamen die Trompeten hinzu. Eine gerade auch angesichts der gegenwärtigen Bedrohtheit des Friedens in der Welt eindrucksvolle Bitte.

Eine gute Hand hatte Kreutz bei seiner Solistenauswahl: Mit Jenny Haecker, Sopran, und Rebecca Blanz, Mezzosopran, hatte er zwei starke Sängerinnen engagiert, die mit wunderbarer Stimme und Ausdruckskraft ihre Arien sangen, besonders schön und ausgewogen im Duett „Et in unum Dominum“ (Credo). Während der Tenor Ben Heijnen mit seiner an sich sehr schönen, aber doch etwas scheuen Stimme akustisch nicht immer so recht durchkam, beeindruckte Lukas Schmid mit seinem sonoren, vollen Bass.

Unterstützt wurden Chor und Solisten von dem fabelhaft musizierenden, reich besetzten Barockorchester Münster, das von seinem Konzertmeister Andreas Kliegel gegründet und geleitet wird und sich auf Oratorien-Aufführungen spezialisiert hat.

Wie gut, dass uns Ansgar Kreutz trotz seines Abschieds aus dem Kantorenamt an St. Marien für Warendorf erhalten geblieben ist, nicht zuletzt durch seinen Kammerchor! Der nicht enden wollende, geradezu frenetische Schlussapplaus für alle Mitwirkenden unterstrich nicht zuletzt auch diese besondere Wertschätzung. (Erschienen in den Westfälische Nachrichten, Warendorf, vom 23. 11. 2015)

Das Programmheft hier zum Herunterladen......

Bilder der Probe vom 14. 11. 2015

 

H-Moll-Messe von Bach  mit dem Kammerchor Warendorf – Musikalischer Jahreshöhepunkt

Wenn es eine Liste der Top 10 der großen Werke der westlichen Musikkultur gibt, dann gehört die H-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach sicherlich ziemlich weit oben auf diese Liste. So wird die Aufführung dieses Werkes am Samstag, den 21.11.2015 um 18.00 Uhr in St.Marien einer der absoluten Höhepunkte des Kulturjahres in Warendorf werden. Erstmals in der über 275-jährigen Geschichte des Werkes wird das Stück in der Ausführung des Kammerchores Warendorf von einem heimischen Ensemble hier zu hören sein.

Dieses Stück gilt als eines der bedeutendsten Musikwerke, die überhaupt je geschaffen worden sind, im 19.Jahrhundert wurde es gar als das „8.Weltwunder“ und als „Königin der Meßvertonungen“ bezeichnet.

Das Stück ist für Solisten, Chor und ein prachtvolles Barockorchester mit Trompeten, Pauken, Flöten, Oboen, Fagotten, Solo-Horn, Streichern und Orgel besetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken Bachs liegt der musikalische Schwerpunkt nicht in den ausdrucksvollen Arien sondern in den vielen begeisternden Chorsätzen, die vierstimmig, fünfstimmig, sechsstimmig und doppelchörig achtstimmig sind.

http://de.wikipedia.org/wiki/H-Moll-Messe

Vier Solisten unterstützen den Kammerchor Warendorf bei der Meisterung dieser besonderen Herausforderung. Die Sopranistin Jenny Haecker bezauberte bereits in vielen Konzerten mit ihrer klaren musikalischen Diktion das Warendorfer Publikum. Rebecca Blanz, Mezzosopran, ist Warendorferin und begann ihre musikalische Ausbildung in den Chören von St.Marien. Sie studiert heute an den Musikhochschulen in Detmold und Wien und ist dabei, sich zur gefragten Konzertsängerin zu entwickeln. Erstmals in Warendorf wird der niederländische Tenor Ben Heijnen aus Maastricht zu hören sein, dessen helles und leichtes Timbre sich mit baritonaler Wärme mischt und so zu einem idealen Interpret Bachscher Musik werden läßt. Eine große Stimme vom Theater Münster wird mit dem Bassisten Lukas Schmid zu hören sein, der in der letzten Saison als König von Schottland in Händels virtuoser Oper „Ariodante“ brillierte.

„Historisch informiert“ so nennt sich heute jene Aufführungspraxis, die mit den Erkenntnissen der Spielweise und Spielgewohnheiten der Barockzeit auf historischen Instrumenten oder Nachbauten von diesen die Musik in einer Klanglichkeit erklingen läßt, die der vom Komponisten Bach gewünschten Klanggestalt sehr nahe kommen mag. Auf diese Art und Weise wird die Musik sehr lebendig und besonders kraftvoll. Das Barockorchester Münster unter seinem Konzertmeister Andreas Klingel wird der ebenbürtige Partner des Chores in dieser Aufführungsserie sein.

Die Leitung der Aufführung hat Ansgar Kreutz, der in Warendorf, als vormaliger Kantor von St.Marien / St.Laurentius kein Unkannter ist.

Karten zum Preis 21 € und ermäßigt* 11 € (Schüler, Studenten, Mitglieder der Musikfreunde Warendorf e.V.) sind an der Abendkasse erhältlich. Kinder bis 15 Jahren haben freien Eintritt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Konzertpate zu werden und die Aufführung in Form eines Crowdfundings zu unterstützen, hierzu weitere Informationen auf der Seite https://www.startnext.com/bach-hmollmesse2015 .